Sonntag, 4. Oktober 2020

t@cker-leitartikel 10/2020: 30 Jahre Einheit - Wir miteinander ohne Unterschiede!

t@cker-leitartikel 10/2020: 30 Jahre Einheit - Wir miteinander ohne Unterschiede!

"30 Jahre Deutsche Einheit

Wir miteinander – aber ohne Unterschiede

„Wir miteinander“ – so lautet das Motto der Ausstellung und Feierlichkeiten von Bund und Ländern zum großen Jubiläum – zum Tag der Deutschen Einheit.
Am 3. Oktober 1990 wurde die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland mit dem in Kraft getretenen Einheitsvertrag offiziell besiegelt. Dieser Tag ist der für Gesamtdeutschland wichtigste Feiertag. 30 Jahre Deutschland, wie wir es heute kennen.
30 Jahre Einigkeit, Recht und Freiheit von Nord bis Süd und Ost bis West – wir miteinander.

Selbstverständlich war es ein langer Weg. Gerade im Osten Deutschlands gab es neben all den neuen Freiheiten und positiven Neuerungen auch Verlierer*innen der Wende.
Von der hohen Arbeitslosenquote und Verunsicherung ist heute zum Glück nichts mehr zu spüren – Einigkeit, Recht und Freiheit eben – oder doch nicht!?
Die Mauer, die einst am 9. November 1989 fiel, ist heute an der East Side Gallery lediglich noch ein Touri-Magnet. Aber wie sieht es mit den Mauern und Schranken in unseren Köpfen aus?
Die Teilung Deutschlands ist in den Köpfen vieler Menschen nach wie vor präsent.
Wenn sich selbst politische Influencer der Generation Z darüber definieren, dass sie beispielsweise Ossi sind, obwohl sie mehr als 10 Jahre nach der Wiedervereinigung geboren wurden, ist die ehemalige Teilung Deutschlands auch bei den Jüngeren immer noch verankert. Selbst meine Generation kann sich an ein geteiltes Deutschland nicht erinnern, trotzdem wird uns immer wieder eine Grenze vor Augen geführt. Es gibt zum Beispiel einen Ostbeauftragten, der sich um strukturschwache Regionen kümmert, obwohl es die bundesweit gibt und der Osten nicht per se strukturschwach ist. Und es gibt noch Unterschiede bei den Arbeitsbedingungen, selbst bei flächendeckenden Tarifverträgen wie dem TVöD (Bund/VKA). Beschäftigte arbeiten im Westen nur 39 Stunden, während die Wochenarbeitszeit im Osten 40 Stunden beträgt. Diese Dinge und generell das Gehalts- und Rentenniveau müssen 30 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich angeglichen werden.
Dafür kämpfen wir als dbb – nicht nur bei den aktuellen Tarifverhandlungen.
Erst wenn wir keine Unterschiede mehr machen, haben wir die Chance wirklich als Einheit abschließend zusammenzuwachsen.

Karoline Herrmann
Vorsitzende dbb jugend
"

Quelle: t@cker 10/2020, S. 2



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