Samstag, 18. September 2021

t@cker-leitartikel 9/2021: Generationengerechtigkeit

t@cker-leitartikel 9/2021: Generationengerechtigkeit

"Generationengerechtigkeit

Aufmerksamkeit ist gut, Partizipation ist nötig

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“ – die Jugendbewegung Fridays for Future bringt weltweit Millionen junge Menschen auf die Straßen, die mehr Klimaschutz fordern.

Millionen junge Menschen gehen seit einigen Jahren rund um den Globus für mehr Klimaschutz auf die Straße. YouTuber+*innen und Instagrammer*innen, die sich überwiegend mit Onlinegames, Musik, Fitness oder Lifestyle beschäftigen, melden sich immer wieder auch mit politischen Statements zu Wort. Wir erleben eine Generation, die sich der großen Herausforderungen unserer Zeit bewusst ist und sich ihnen stellt. Wer meint, „die Jugend von heute“ sei ein apolitischer Teil der Gesellschaft, irrt sich ganz gewaltig und es schmerzt, wenn diese engagierten Menschen belächelt, beleidigt und nicht ernst genommen werden.
Solche Repliken auf berechtigte Forderungen junger Leute, denen oftmals schlicht nackte Zukunftsängste zugrunde liegen, sind Erwachsenen-Reflexe aus längst vergangenen Zeiten, die schleunigst abgelegt werden sollten. Aufmerksamkeit ist gut, Partizipation aber ist nötig.

„Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“ ist kein lustiger Kinderreim, sondern ein vollkommen legitimer Gestaltungsanspruch. Es braucht umgehend mehr konkrete Möglichkeiten zur Partizipation für Heranwachsende. Engagierte Jugendliche demonstrieren seit Jahren für eine umfassende Generationengerechtigkeit, die über die fiskalische Dimension hinausreicht. Wer nimmt sich das Recht raus, jenen, die von sämtlichen Folgen der politischen Entscheidungen, die heute getroffen werden, in ihrem Leben betroffen sein werden, die Mitgestaltung zu verweigern? Und die anstehenden Zukunftsaufgaben sind enorm: Wir brauchen dringend Investitionen, um faire Bildungschancen für alle zu schaffen, um den Kampf gegen die Umweltzerstörung voranzutreiben und die Digitalisierung zu meistern. Zugleich darf die heranwachsende Generation nicht auf den immensen Schulden der Krisenbewältigung sitzen bleiben.
Deswegen wird die dbb jugend nicht müde, mehr Partizipation für junge Menschen zu erkämpfen und einen generellen verbindlichen politischen Generationen-Check zu fordern. Wir werden die Parteien, die sich in diesem Monat zur Wahl stellen, ganz konkret an ihren Teilhabe-Plänen messen, die sie für die jungen Menschen in diesem Land haben – oder auch nicht. 

Karoline Herrmann
Vorsitzende dbb jugend"

Quelle: t@cker 9/2021, S. 2



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